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Penny Surfskateboard
28. Juni 2020 Von surfskate

Wanderlust… Penny Surfskateboard

In den Jahren 2013 / 2014 wurde ich nachts oft von meinen Albträumen geweckt. Schweißgebadet machte ich das Licht an und zündete mir mit zitternden Fingern eine Zigarette an. Ich sah in diesen Träumen Skateparks, in denen bonbonfarbene Plastikboards von „Guccitaschenträgern“ geskatetet wurden. Ich sah Tony Hawks seinen „900°“ stehen, während er dabei seinen Chai Latte von Starbucks trank. Auf den Downhillstrecken prägten Plastikboards die Szenerie und Patrick Switzer fragte mich, ob ich schon das neueste Penny Board gefahren wäre und Daniel Iseli überreichte mir mit stolzer Brust ein pinkes Rocket-Plastikboard. Da wurde ich dann meistens wach….

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Back in Time…

Irgendwann in den 70er Jahren wurden die technopolymeren Boards geboren. Sie waren das Abfallprodukt einer Plastikindustrie, die auf Hochtouren lief. Alles wurde aus diesem Werkstoff gebaut. Möbel, Gebrauchsgegenstände und Brands wie „Sancheski“ aus Spanien, formten einen komplett neuen Markt, für den es gar keine Käufer gab. Das Skateboarding war zu dieser Zeit mehr oder weniger tot. Die Wiederbelebung kam in Form der Urethanrollen und wer immer auch ein solches „Brett“ in Madrid, Barcelona oder San Sebastian kaufte, der verlangte nach einem der Boards von Sancheski. Eine Dekade lang galt in den Skate- und Surfshops „Sancheski“ als Synonym für Plastikboards. In den Staaten war es dann ausgerechnet Larry Stevenson von Makaha, der diese auch außerhalb Europas bekannt machte. (Stevenson gilt als Erfinder des Skate/Longboards – siehe auch http://longboardmagazin.de/zurueck-in-die-zukunft-die-geschichte-des-longskateboards ).

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Another Bastard Child of Skateboarding

Andere Marken zogen nach und plötzlich waren die PVC Boards überall zu sehen. Im Laufe der Zeit nahm das Interesse ab und es krähte kein Hahn mehr nach den tordierenden Fashionaccessoires. Ein Typ namens Ben Mackay belebte das Ganze dann wieder. Es war um 2010, als er an eigene Decks, Achsen und Rollen tüftelte und eine Marke anmeldete, die er nach seiner Schwester Penny benannte. „Penny“ wurde das neue „Sancheski“ Board. Die Bretter wurden anfangs von der Industrie belächelt, wenn sie überhaupt wahrgenommen wurden. Der Preis war abstrus hoch. Über 120 Euro für ein Board, das farblich eher aus einer Bonbonfabrik stammen könnte? Doch der Erfolg gab Ben recht. Die hohe Qualität der Boards, gute Achsen, gute Rollen – nicht dass es Skateboarder tatsächlich interessierte. Doch Penny wurde so etwas wie ein Hipster Accessoire. Die Boards gab es in vielen Farben, passend zur Handtasche. Während der Hochzeit des Longboardings schossen die Verkaufszahlen in die Höhe. Plötzlich hatte jedes Brand, das etwas auf sich hielt, Plastikboards am Start. Dies waren jedoch in der Regel keine Corebrands. Die Produktion in China lief auf Hochtouren doch Marken wie Madrid, Loaded oder Rayne ließen die Finger davon. Aber Miller Longboards und viele andere Kaufhausbrands boten die Boards für ganz kleines Geld an. Nicht vergleichbar mit Penny – doch 100 Euro günstiger.

Es war ein Massaker an unserer Kultur. Die eigentliche Problematik bestand darin, dass Eltern diese Art Boards kauften, da sie klein und niedlich wirkten. Keine Ahnung wann und wo wie Mär entstand, dass Decks für Kinder klein sein müssten. Myriaden von Kids versuchten ihre ersten Schritte auf den Teilen und schon bald wanderten diese in den Keller, zu den Scootern, Hula-Hup Reifen und Schmusetieren. „Skateboarding“ war offensichtlich doch nichts für den Sprössling. Trotz der vielen guten Amazonbewertungen…

Danach wurde es generell ruhiger am Markt. Die Kopierer haben ihre Sortimente längst eingestellt. Das Plastik wird wieder zu Tüten. Doch Penny Skateboards gibt es immer noch. Parallelen zu Loaded sind kein Zufall. Beide Marken, wenn auch komplett verschieden in ihren Ideen und Konzepten, stehen gut da. Qualität zahlt sich aus. Und natürlich gutes Marketing. Für mich war das Thema Plasteboards einfach nur ein weiteres „Bastard Child of Skateboarding“. Keines womit ich mich viel beschäftigen muss. Die Teile sind da und wegdiskutieren kann man sie ohnehin nicht.

Wären aber Skateboardbrands Tiere, dann wäre Rocket aus der Schweiz ein weißer Hai, Loaded eine eierlegende Wollmilchsau. Penny würde ich als Trüffelschwein bezeichnen. Denn Ben hat nicht geschlafen wie andere in der Industrie. Ben hat erkannt, dass Surfskating verdammt viel Kohle abwerfen kann. So hat er dann ein paar Boards seiner gigantischen Range umgerüstet.

Pennyboards Adapter

Surfskateboards von Penny?

Kein Problem, allein die Achsen fehlen… Das Smoothstar oder Yow nicht unbedingt ihren Namen für derartige Boards hergeben wollte, liegt auf der Hand. Und das Ben nicht irgendwelche Billigkopien unter die Plastikteile feuern würde auch. So fiel die Wahl auf Waterborne. Der Inhaber von Waterborne ließ sich anscheinend nicht zweimal bitten. Als Collegestudent hatte er die Achsen nebenbei entwickelt und war selbst überrascht von seinem Erfolg. Das Penny Skateboards – einer der wohl kommerziell größten Brands ausgerechnet seine Achsen haben wollte, dürfte ihm gefallen und seine akademische Ausbildung finanziert haben. Die Waterborne Adapter sprechen für sich. Zusammen mit den ohnehin schon guten Achsen und Rollen, sind die Boards durchaus in Ordnung. Für die Zielgruppe ist Torsion oder Umweltbewußtsein wohl auch kein großes Thema (außer Freitags).

Eine Perfomancebeurteilung können wir nicht durchführen. Die Teile sind ausverkauft. Wenn wundert es in diesen Zeiten. Geht davon aus, dass sie funktionieren. Mit 199 Euro ist der Preis eigentlich ok, denn ihr erhaltet ein sehr gutes Setup. Rechnet man die Einzelkomponenten zusammen. Waterborne 120 euro, Achsen TKP 40 Euro und Rollen 30 Euro + Lager und Hardware, dann hat man für das Geld einen Unterbau für ein Surfskateboard.

Ich sehe Kelly Slater zusammen mit Sebastian Steudtner gemeinsam in Nazare diese fetten Wellen hinunterballern und sie fahren nicht auf Wellenreitern – sie haben bonbonfarbene… ich werde wach und alles ist gut.