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19. Mai 2019 Von surfskate

Flatboard for flat Days? Ein Test…

Es ist ein paar Tage her, da wurden wir auf ein neues Board aufmerksam. Dies stammt aus dem Mutterland des… ääh alpinen Skifahrens. Der Name dieses Rollbrettes ist Flatboard. Gepostet wurde die News in der „Surfskate Germany“ Gruppe bei Facebook. Doch ist es wirklich ein Surfskateboard, was da aus Österreich über die Alpen gerollt kommt?

Vorab: so ein langer Text für ein, wie ein Spielzeug anmutendes Longboard? Jawoll! Die letzte uns bekannte Innovation war das „Curfboard“ von Stephan Augustin. Seitdem war es eher ruhig – nein Pardon, es war still. Umso mehr feiern wir die Tüftler und Bastler, die sich Gedanken machen und das Risiko des Scheiterns auf sich nehmen. Es wäre soviel einfacher gewesen mit 12 Dollar ein Standardlongbord aus Fernost zu importieren….

Das Flatboard: Wir würden es eher als ein Longboard bezeichnen, das über sehr bewegliche Achsen verfügt. Als Surfskateboard ist es kaum nutzbar. Warum dies so ist, darauf kommen wir gleich zurück. Das Brett eignet sich aber perfekt für Kinder. Ob sie sich auf einem Longboard wohlfühlen hängt oft von der Höhe des Boards ab. Ist diese beim Longboard meist grenzwertig, wird es beim Surfskate noch prekärer, da der Abstand zum Boden für die Kids reichlich überdimensioniert wirkt. Selbst Drop-Through Boards sind vielen noch zu hoch. Hier punktet das Flatboard im wahrsten Sinne des Wortes: Flat. Knapp 5 Zentimeter sind es von der Urethanunterkante der Rollen bis zur Deckoberfläche. Perfekt, um auch die Kleinsten an das Longboarding zu führen.

Die Hardliner werden aufschreien

„Nein, niemals, die sollen das richtig lernen oder gar nicht!“

Wir widersprechen. Wie oft haben wir Kids beobachtet, die sich um zu lenken mit beiden Füssen auf die Kante des Decks gestellt haben, um die Richtung zu ändern. Von der Fußtechnik her, hatte das den Anschein von Windsurfen beim Angleiten: „Ordentlich Druck auf die Kante!!“ Und zwar mit den vorderen Fußballen – geradezu abenteuerlich. Zu leicht waren die kleinen Racker – ein Longboard oder Skateboard kann von ihnen nur zum geradeaus Fahren genutzt werden.

Wir haben natürlich ein Muster angefordert, um zu es zu testen. Voller Skepsis, denn die Verpackung und die Präsentation ließen ein Spielzeug erwarten. Zuviel Chinaschrott haben wir schon gesehen und getestet. Als das Board ankam, betrachteten wir ungläubig die Umverpackung. Da paßt doch maximal ein Deck rein??

Beim Auspacken fiel uns eine Bedienungsanleitung entgegen, die wir kurz überflogen. Der Inhalt der Anleitung überraschte uns. Der Hinweis des Herstellers, „wir sollten vor Gebrauch unbedingt das Manual lesen“, ließ uns anderes erwarten. Doch es standen nur ein paar Sicherheitswarnungen drin ala – „auf Gullideckel achten“. Wir erwarteten dagegen eher Details zu Technik, Wartung etc. Nun muß man wissen, dass der Hersteller der Flatboards nicht sehr tief in der Rollsportszene verwurzelt ist. In diesem speziellen Fall ist es ein Riesenvorteil.

„Denn nur ein Anfänger kann empfinden, was ein Anfänger nun einmal erlebt.“

Das Flatboard entstand aus der Idee heraus, jedem die Möglichkeit zu geben, das Rollen auf dem langen Skateboard zu erlernen. Und diese Aufgabe löst das Flatboard mit Bravour. Binnen weniger Minuten kann jeder das Brett bewegen und Kurven fahren. Relativ einfach sogar, da das Geheimis nicht im Deck zu finden ist. Speziell das Lenken birgt normalerweise für leichtere Fahrer eine nicht zu unterschätzende Hürde. Mit teuren Boards, wie z.b. von Loaded, unter denen Paris Trucks mit weichen Bushings montiert sind, funktioniert es natürlich auch. Doch hier diktiert der Lenkwinkel das Verhalten. Soll heißen, je höher das Deck, desto weniger Kraft muß aufgewendet werden, um die Richtung zu wechseln. Auf der anderen Seite kann man ein flaches Board mit extrem weichen Bushings ausstatten. Das endet im schlimmsten Fall mit einem „Deckbite“. In diesem Fall berührt das Deck die Straße. Ein unrühmliches Beispiel hierfür ist das „Kahuna Creations Drop Deck“ das schön tief ist, doch im Test eben jenen Deckbite zeigte. Die Alternative ist, harte Lenkgummis einzusetzen, doch dann lenkt es sich eben sehr zäh bis gar nicht. Diese Art Boards werden logischerweise im Long-Distance Bereich eingesetzt und haben dort natürlich ihre Berechtigung. Somit bieten sich für Kinder zwei Szenarien. Hoch und beweglich oder flach und starr. Genau in dieser Lücke haben sich die Österreicher platziert. Der Grund sind die speziellen Achsen. Aber wie funktionieren diese und was ist der Unterschied zun den gefühlt hunderten von „Anfängerboards“ auf den großen Onlineportalen.

Vergleiche

Wir vergleichen in dem Zusammenhang einmal mit Longboards im Lowbudget-Bereich und sehen riesige Unterschiede in der Philosophie. Normalerweise läuft das so: Jemand hat 100.000 Euro übrig und will Geld mit Extremsport machen. Also geht er auf Alibaba und sucht sich einen Lieferanten für dies oder das. Diese geben dann Angebote ab. 20 Dollar für ein gutes Board – 12 Doller für ein weniger gutes. Die Konzepte, Farben, Rollen, Lager – wahrscheinlich alles von anderen Fabriken übernommen und selten oder gar nicht getestet. Will man Anständiges haben, dann muß man seinen Hintern in den Flieger schieben, testen und die Produktion vor Ort überwachen. Aber in der Regel geht es nicht darum, ein perfektes Board zu bauen. Es geht um Gewinnmaximierung, und zwar ohne großen Aufwand. Bekanntes nachbauen ist einfacher als Neues zu entwickeln. Der nächste Schritt des „Chinabrands“ wäre dann einen netten Namen zu finden. Der Ausdruck „Chinabrand“ ist unglücklich, bauen doch beinahe alle – auch Markenhersteller – in Fernost. Doch ihr wißt was gemeint ist. Von den 100.000 Euro steckt man nun vielleicht 10.000 in die Legende um den „achso souligen Corebrand“, holt sich ein paar Teamfahrer und zahlt ein paar Euro Affility oder Provision an diese. Fertig ist das Partyboot. Ein Board das 50-60 Euro kostet und aussieht, wie ein Longboard eben auszusehen hat. Das Kundenklientel sind die Eltern, deren Zöglinge nach einem solchem betteln. Den Eltern kann kein Vorwurf gemacht werden, wenn sie eines dieser scheinbaren Schnäppchen kaufen. Sie orientieren sich meistens an den „Bewertungen“ der großen Onlineportale. Fehlgeleitetes Schwarmwissen…

Die Unterschiede zu eben diesen Standard-Billigbrettern mit ihren holzigen Rollen, den aus Tischtennisball-Restbeständen eingefärbten Hartplasiklenk“gummis“ finden wir eben in den Rollen, den Kugellagern und natürlich in den Achsen.

Die Achsen

Es ist eine Achse, wie wir sie noch nicht gesehen haben. Im Gegensatz zur C7 von Carver oder des Slide Trucks, die ich eher als Schleppachse bezeichnen würde, befinden sich die Rollen deutlich VOR dem Kingpin. Das ist ungewohnt. Da ohne Bushings oder Federn gebaut wurde, gibt es auch keinen Rebound. Aber das Lenken ist kinderleicht und der Aufbau macht das Flatboard zu einem, wenn nicht dem flachsten Boards im Markt.

Mindestens genau so interessant ist die Hinterachse. Vom Design vergleichbare Achsen werden von Dont Trip für ab 150 Dollar verkauft

Delirium Achse von Dont Trip

Selbstverständlich wollen wir diese beiden Achsen nicht miteinander vergleichen. Der Einsatzzweck der Delirium-Trucks liegt im professionellen „Long Distance“ Bereich, beim Flatboard dient sie zum einen als Stabilisierung, zum anderen senkt sie das Deck ab. Mit viel Aufwand lässt sich das Board pumpen. Man merkt aber schon bald, dass es nicht dafür gemacht ist. Es bedarf schon einer guten Technik, um Tempo zu halten. Das Umbauen und eine Installation der Vorderachse auf Top Mount und damit die Simulation eines klassischen Surfskates brachte keinen nennenswerten Erfolg. Dazu mußte die Achse auseinander gebaut und wieder zusammengesetzt werden. Womit sich auch die Belastung auf Lager und Gelenk verstärken dürfte.

Deshalb raten wir vom Umbau ab. Diese Achse ist exakt auf das Flatboard angepaßt.

Die Vorderachse wirkt nicht billig. Alles in allem kann das Board und somit auch die Achse eine Belastung von rund 120 Kilogramm durchhalten. Das ist nicht mehr oder weniger als andere Markenboards mit Markentrucks. Eine Standardsurfskate-Gußachse wie es scheint. Der springende Punkt ist allerdings: Die Achse wird Dropthrough montiert. Wheelbites? Nein! Dann doch bestimmt extrem gerisert? Geht erstens nicht und zweitens: NEIN. Der Winkel der Drehung endet tatsächlich vor dem Deck, ohne dies zu berühren. Der Lenkwinkel wird eingegrenzt von einem Zapfen in der Achse. Ähnlich den Revengetrucks, doch wesentlich massiver. Apropos Deck. Das „GET ON HERE“ ist dem Sicherheitsgedanken geschuldet und wirlich ernst gemeint. Schwer anzunehmen, dass jemand auf die Idee kommen könnte rückwärts zu fahren. Nicht bedacht wurden hier Mongo-Pusher. Falls die dann als erstes auf diesen Bereich treten, hätten sie nur begrenzten Spaß.

Rollen und Hardware

Die Rollen und die Hardware überraschen uns. Wir würden die Rollen, als Rollen der Oberklasse bezeichnen. Gut, sie sehen nicht sonderlich spektakulär aus, doch der Rebound ist immens und dadurch rollen sie und rollen und rollen. (Wenn ich nochmal Rollen schreibe, explodiert die Lektorensoftware: ROLLEN – nein nichts passiert) Man merkt, die sind nicht von der Stange. Tatsächlich sind sie extra angefertigt worden. Die ABEC 9 Lager tragen auch ihren kleinen Teil dazu bei, wobei ich ja bekanntermaßen kein großer Fan des ABEC Ratings bin. Wie wir wissen, bessern viele, die in Fernost produzieren, ihre schlechten Boards zumindestens in den Techspecs mit einem hohen Rating auf. Kann mach alles draufdrucken. Lustigerweise übertreffen sich hier die „Produzenten“ weil sie denken, dies wäre DAS Qualitätsmerkmal. Dabei macht die Güte der Lager vielleicht 2% vom Rollverhalten aus.

Fazit

Was halten wir jetzt von dem Brett? Ich kann es nur wiederholen: Als Fachmagazin freuen wir uns immer wieder über Innovationen. Denn leider gibt es nicht mehr viele die experimentieren, entwickeln und tüfteln. Umso höher bewerten wir die Anstrengungen von Hubert und seinem Team. Abstriche würden wir in der Präsentation machen, denn Longboarder oder Surfskater schmunzeln zunächst. Was nicht heißt, dass der Auftritt schlecht wäre. Für einen Skateboardbrand scheint sie nahezu perfekt – aus den Augen eines Dritten. Coole Verpackung, schöne Webseite, gutes Produkt. Doch man merkt irgendwie das Szenefremde. Warnhinweise und anderes wirken wie von einem Spielzeughersteller empfohlen.
Aber das wichtigste ist das Brett und die Qualität desselben. In Verbindung mit der Zielgruppe – nämlich blutigen Anfängern oder Kindern – wird definitv ein Schuh draus. Mit einem Preis von 149 Euro kann das Board durchaus zum Bestseller werden. Es ist kein Chinasurfskate, von denen wir schon einige zerlegt haben (und uns gleich mit) – es ist auch kein Billiglongboard. Es hat aber auch nicht die Perfomance eines Curfboards oder ähnlichen High-End Geräten. Was nichts mit dem Material zu tun hat. Es ist der angedachte Einsatzzweck. Wir sind auf jeden Fall begeistert und werden die Boards für Schulungen einsetzen.